So wie die USA von den staatsrechtlichen und philosophischen
Idealen Europas, dessen Theorien sich auf amerikanischem Boden
unbelastet einer gewichtigen Geschichte in relativer Unbedingtheit fuer
die ganze Welt zu Modellen entwickeln konnten, entscheidend befruchtet
wurde, so sehr profitiert Europa auch heute noch von der amerikanischen
Perspektive als einer plausiblen Spiegelung, die einen relativ
glaubwuerdigen Ausblick in die eigene Gegenwart und Zukunft auf fast
allen Gebieten erlaubt. In diesem Sinne benoetigt nun Amerika und die
Welt selbst eine neue FLUECHTLINGSREPUBLIK, die eine Chance bietet,
diese Rolle zu uebernehmen, denn die saturierten Immigrationsstaaten
sind immer weniger in der Lage, das globale Spektrum zu
repraesentieren. Die Fluechtlingsrepublik wird mithin zum Spiegel einer
Welt, die in einigen Teilen noch prae- und in anderen schon
postpolitisch ist - in einer Zeit, die ihren ideologischen Ueberbau des
Modernen und ihre Visionen zugunsten einer noch schlecht definierten
Disposition des relativen Positionierens verloren hat, einer Welt in
der divergente Trends der Globalisierung gleichsam eine
Retribalisierung (Ethnifizierung/Regionalisierung) bedingen. Wie Joseph
Nye [9] beobachtet hat, ist die Welt keineswegs zu einem Dorf
verschmolzen, sondern besteht nun vielmehr aus immer dichter
zusammenrueckenden Doerfern, die ihre schuetzende Distanz zueinander
verloren haben: Geographische Isolation hat sich im Informationsnebel verfluechtigt. Aus vielen Einfamilienhaeusern droht eine gigantische Mietskaserne zu werden.